Erfahrung: BiCROS-Versorgung mit Phonak CROS P

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Die hier beschrie­benen Erfah­rungen beruhen auf den Geräten der Firma Phonak: Phonak Audéo™ P90-R sowie Phonak CROS P-R in Kombi­nation mit Phonak Audéo™ P30-RT. Der Bericht ist nicht als Empfehlung für die Marke Phonak gedacht. Vielmehr geht es um die grund­sätz­lichen Erfah­rungen mit einer BiCROS-Versorgung.

Eigene Hörbe­ein­träch­tigung

Verein­facht gesagt bin ich auf dem rechten Ohr taub und auf dem linken Ohr mittel-gradig schwer­hörig. Zusätzlich habe ich auf beiden Ohren einen Tinnitus. Wobei dieser auf dem rechten Ohr in Form eines „rauschenden Flimmerns“ besonders ausge­prägt ist. Auf dem linken Ohr habe ich nur gelegentlich ein leichtes Rauschen.

Hörbe­ein­träch­tigung auf dem rechten Ohr:

Audiogramm rechtes Ohr: Rest-Hör-Vermögen bei 500 bis 1000 Hertz. Hör-Schwelle hier bei 90 bis 110 Dezibel.
Audio­gramm rechtes Ohr: Rest-Hör-Vermögen bei 90 bis 110 Dezibel.

Beim rechten Ohr liegt eine an Taubheit grenzende Schwer­hö­rigkeit vor. Da die Gehör-Schnecke (Cochlea) zudem verknö­chert ist, ist eine Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) nicht möglich. 

Hörbe­ein­träch­tigung auf dem linken Ohr:

Audiogramm linkes Ohr: bis 1000 Hertz Hör-Schwelle zwischen 20 und 40 Dezibel. Ab 1500 Hertz Hör-Schwelle sinkend bis auf 90 Dezibel bei 8000 Hertz.
Audio­gramm linkes Ohr: Schwer­hö­rigkeit vor allem bei hohen Tönen (Frequenzen).

Die Hörbe­ein­träch­tigung ist auf den tiefen bis mittleren Frequenzen leicht und nimmt dann in den mittleren bis hohen Frequenz stark zu. Ab 3.000 Hz ist die Beein­träch­tigung mittel­schwer bis schwer. Beim Ein-Silben-Wort-Test verstehe ich bei einem Pegel von 65 dB rund 35 Prozent.

Einseitige Versorgung mit einem Hörgerät

Beim Auftreten meiner Schwer­hö­rigkeit hatte ich mich für eine einseitige Hörgerät-Versorgung entschieden, da BiCROS-Geräte damals noch mit einem Kabel verbunden waren. Erst jetzt mit der „Bluetooth Low Energy“-Technologie (Bluetooth mit geringem Strom-Verbrauch) ist eine Funk-Verbindung beider Hörgeräte möglich.

Vor dem Wechsel zu einer BiCROS-Versorgung hatte ich die Möglichkeit das aktuell beste Hörgerät von Phonak zu testen: das Phonak Audéo™ Paradise 90 (auch: Phonak Audéo™ P90). Aller­dings konnte ich mit diesem Gerät keine grund­le­gende Verbes­serung zu meiner bishe­rigen Versorgung mit einem Phonak Audéo™ Marvel 30 (Phonak Audéo™ M30) feststellen. Speziell in den folgenden Hör-Situa­tionen war ein Verstehen kaum möglich:

Hör-Probleme bei der einsei­tigen Versorgung

  • bei vielen Stör- oder Hinter­grund-Geräu­schen (wie zum Beispiel an stark befah­renen Straßen oder in Restaurants).
  • in Räumen mit viel Hall (wie zum Beispiel im Treppenhaus oder in Kirchen)
  • bei undeut­licher Sprache (wie zum Beispiel beim Tragen von Masken)
  • bei Personen, die mit einem starken Akzent sprechen
  • bei Kindern

BiCROS-Versorgung mit Phonak CROS P

2 Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte jeweils mit einer Otoplastik.
Links: Phonak Audéo™ Paradise 30.
Rechts: Phonak CROS P.

Da mit der einsei­tigen Versorgung kein zufrie­den­stel­lendes Ergebnis erzielt werden konnte, verordnete mir meine HNO-Ärztin eine BiCROS-Versorgung. Da mein Hörakus­tiker primär Geräte von Phonak vertreibt, fiel die Wahl auf das Phonak CROS P (P für Paradise). Auf der hörenden Seite benutze ich das Phonak Audéo™ Paradise 30 (auch Phonak Audéo™ P30). Eine BiCROS-Versorgung von einem anderen Hersteller habe ich nicht getestet.

Bei der Wahl, ob Batterie oder Akku, muss einem bewusst sein, dass das ständige Senden vom CROS-Gerät zum anderen Hörgerät sehr viel Strom benötigt. Daher wäre der Batterie-Verbrauch bei einer ganztä­gigen Nutzung der BiCROS-Versorgung relativ hoch. Eine Akku-Nutzung ist hier langfristig günstiger. Aller­dings schafft das Phonak CROS P mit einer vollstän­digen Akku-Ladung nur 12,5 Stunden (laut Hersteller-Angabe). Aus diesem Grund muss man bei der Akku-Lösung genau darauf achten, wann man die BiCROS-Versorgung am Tag benötigt, und den Lade-Zyklus entspre­chend anpassen. 

Funkti­ons­weise einer BiCROS-Versorgung

Bei einer BiCROS-Versorgung wird der ankom­mende Schall von beiden Hörge­räten empfangen. Das Hörgerät auf der ertaubten Seite schickt dieses Schall-Signal dann an das andere Hörgerät. Das Hörgerät auf der hörenden Seite erzeugt dann 2 Schall-Signale. Einmal basierend auf dem selbst empfan­genen Schall und einmal basierend auf dem Schall-Signal vom anderen Hörgerät. Die beiden Schall-Signale haben einen zeitlichen Versatz und sind unter­schiedlich laut. Durch diese Unter­schiede kann das Gehirn die Schall-Signale so verar­beiten, dass ein gewisses Richtungs-Hören ermög­licht wird. Dieses „künst­liche“ Richtungs-Hören ermög­licht unter anderem ein besseres Verstehen bei Stör-Geräuschen.

Hör-Erfahrung mit der BiCROS-Versorgung

Da sich das Gehirn erst an das doppelte Schall-Signal gewöhnen muss, kann es zu Beginn einer BiCROS-Versorgung zu einer Verschlech­terung vom Verstehen kommen. Mit der Zeit sollte das Verstehen dann aber besser werden.

Hör-Erfahrung am 1. Tag

Direkt nach dem Einschalten der BiCROS-Versorgung konnte ich keine Verän­derung beim Hör-Verstehen feststellen. Auch im Alltag mit Stör-Geräu­schen war für mich zunächst keine Verbes­serung oder Verschlech­terung hörbar.

Hör-Erfahrung nach 6 Wochen

Nach rund 6 Wochen fielen mir 1. Verbes­se­rungen im Hör-Verstehen auf. Aller­dings hatte ich weniger das Gefühl besser zu hören, als vielmehr „leichter“ zu verstehen. Wobei mit „leichter“ gemeint ist, dass ich mich um zu verstehen weniger konzen­trieren musste.

Hör-Erfahrung nach 3 Monaten

Nach rund 3 Monaten hat sich dieser Eindruck vom „leich­teren“ Verstehen weiter bestätigt. Dadurch dass ich mich weniger auf das Verstehen konzen­trieren muss, bleibt deutlich mehr Konzen­tration für andere Denk-Prozesse „übrig“. So erinnere ich mich in Gesprächen nun an deutlich mehr Fakten und Namen. Früher sind mir diese meist erst nach dem Gespräch einge­fallen, wenn ich mich nicht mehr auf das Verstehen konzen­trieren musste.
Aller­dings betrifft dieses „leichtere“ Verstehen vor allem Personen, die ich bereits mit der einsei­tigen Versorgung zumindest halbwegs verstanden habe. Bei den unter Hör-Probleme bei einsei­tiger Versorgung genannten Situa­tionen habe ich weiterhin Probleme. Diese sind zwar weniger stark ausge­prägt, aber noch immer eine spürbare Einschränkung.

App myPhonak

Links Smartphone mit der App MyPhonak, mit der aktuell die Umgebungs-Balance eingestellt wird. Rechts ein rundes, kleines Tischmikrofon von Phonak.
App myPhonak: Einstellung der Umgebungs-Balance zum Phonak „Roger select“.

Zur Markt­ein­führung vom CROS P im Sommer 2021 war die myPhonak-App noch nicht mit einer (Bi-)CROS-Versorgung kompa­tibel. Erst mit dem Update vom März 2023 bekamen auch CROS P-Nutzer*innen die Möglichkeit ihre Hörgeräte über die App zu steuern.

So kann man mit der App aktuell:

  • manuell zwischen den Hörpro­grammen wechseln
  • eigene Hörpro­gramme festlegen
  • bei Nutzung eines Roger™-Mikrofons das Verhältnis zwischen Roger-Signal und Umgebungs-Geräu­schen stufenlos einstellen. 

Aktuell können mit der (Bi-)CROS-Versorgung noch keine Gesund­heits-Daten (wie Schritt-Zähler, Herzfre­quenz-Messung und zurück­ge­legte Strecke) erfasst werden.

Fazit

Für mich hat sich der Wechsel zu einer BiCROS-Versorgung auf jeden Fall gelohnt. Dank des „leich­teren“ Verstehens kann ich mich an Gesprächen deutlich besser betei­ligen. Zusätzlich besteht mit der myPhonak-App seit März 2023 die Möglichkeit, die Hörgeräte in schwie­rigen Hör-Situa­tionen indivi­duell anzupassen. Trotzdem bleiben aber auch hier Wünsche offen. So ist das Verstehen in Situa­tionen mit starken Hinter­grund-Geräu­schen weiterhin nur einge­schränkt möglich.

Fragen:
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Klaus
Klaus
4 Monate zuvor

Hallo Christian, vielen Dank für deinen tollen Erfahrungsbericht. Ich habe seit heute ebenfalls diese Cross­ver­sorgung mit dem Phonak AudeoL90-R Gerät. Wie ich deinen Eingangs­be­richt gelesen habe, sagte ich zu meiner Frau, ich glaube den habe ichge­schrieben: rechtes Ohr fast taub (durch eunen Unfall), Tinnitus auf beiden seieten, besonders intensiv rechts (massives Rauschen). Auch das linke Ohr hat einen ähnliches Audeo­gramm wie dein linkes Ohr. Soweit der Faktencheck! Seit 2010 habe ich links ein Hörgerät, seit 2017 ein Phonak Audeo B90-312. Nachdem ich an einem neuen Hörgerät bin und mit meinem HNO-Arzt disku­tiert habe (es ist blöd, wenn mann von rechts… Weiterlesen »

Achim
Achim
9 Monate zuvor

Hallo Christian,
bin auf dem linken Ohr taub, Probleme bei Hörver­stehen wie bei Dir.
Meine erste Cros-Versorgung brachte mir bis heute keine Verbesserung.
Rechtes Ohr ähnlich wie Dein linkes.
Nun will ich die neusten Bi-Cros-Modelle testen.
Würdest Du mir eher eine längere Testdauer mit dem Phonak- Gerät empfehlen, um überhaupt eine Einschätzung zu haben?
Der Akustiker hat schon eine Auswahl angefordert, dadurch vermutlich kürzere Testin­ter­valle vorschlagen.
Auch würde mich inter­es­sieren, ob Dein Gehirn in der Zwischenzeit ein klein bisschen Richtungs­hören gelernt hat?
Gruß Achim

Jürgen
Jürgen
1 Jahr zuvor

Hallo Christian Mein Hörverlust ist nahezu identisch wie deines eine Seite taub links starke Hörverlust Ich habe verschiedene Hörgeräte ausprobiert Signia hatte Probleme mit der App Otticon war ein ständiges lästiges Rauschen auf dem Gerät aber sonst eine tolle App Und phonak das ich aktuell habe hatte mich sofort überzeugt (P90 und cross beide mit accu ) Akustik fand ich toll Accu könnte länger laufen aber sonst schon toll möchte es nicht vermissen Verbindung mit Handy TV und Pc echt toll und was mir am besten gefiel war die Gesprächs­an­nahme vom Handy durch klopfen am Hörgerät erst ab P70 Ich habe das Hörgerät seit ca 1/2 Jahr… Weiterlesen »